IT-Unterstützung für Großschadensfälle

In den letzten fünf Jahren hat das Themenfeld der IT-Unterstützung von Rettungskräften im Portfolio des Instituts zunehmend Bedeutung erlangt. Das Spektrum reicht dabei von der Technologieunterstützung individueller Einsatzkräfte bis zur Modellierung (über-) organisationaler Prozesse. Die Erschließung dieser Themen begann mit den folgenden Projekten: In wearIT@work wurden in enger Kooperation mit der Feuerwehr von Paris Lösungen für die taktische Navigationsunterstützung von Einsatzkräften entwickelt. Hierzu zählt das in 2007 vom BMBF als eines der 100 Produkte der Zukunft ausgezeichnete prototypische Navigationssystem LifeNet. Das System wird inzwischen im Nachfolgeprojekt PROFITEX in Kooperation mit einer Gruppe Europäischer Feuerwehren zur Marktreife gebracht. Auch die in wearIT@work zur benutzerzentrierten Entwicklung eingesetzte simulationsbasierte Prototyping-Methodik FireSim wird inzwischen im Nachfolgeprojekt SOCIONICAL zur Untersuchung von Technologieunterstützung bei Großschadenslagen weiterentwickelt.

Im Projekt SETRIC (Security And Trust in Cities) wurden Konzepte zum Risikomanagement in Städten erarbeitet. ERMA (Electronic Risk Management Architecture) setzte die Erkenntnisse von SETRIC zur prozesstechnischen Organisation fort, in dem eine Krisenmanagement-Plattform für Behörden und Rettungsorganisationen entwickelt wurde, die auf die Bedürfnisse kleiner bis mittelgroßer Organisationen zugeschnitten war.

Gebäude nach Erdbeben schnell und sicher bewerten

Nach dem Erdbeben in l’Aquila in 2009 wurde die Sicherheit einer Reihe wichtiger Gebäude mit den fortschrittlichen Analyse- und Kommunikationsmitteln untersucht, die im Projekt STEP unter Mitwirkung von FIT entwickelt wurden. Die verbesserte und beschleunigte Einschätzung des Sicherheitszustandes von Gebäuden hilft dabei unnötige Evakuierungen zu vermeiden und Hilfsmaßnahmen effektiver zu koordinieren. Fraunhofer FIT hat hierzu ein Kooperationssystem für das in STEP entwickelte Einsatzfahrzeug gestaltet, mit dem die Einsatzkräfte auf der Basis eines speziellen ad-hoc WLAN Mesh Netzwerks verlässlich im Einsatzgebiet und mit den Koordinierungsstellen kommunizieren können. So wird die Erfassung, Verarbeitung und Übertragung ortsgebundener Daten und die Kooperation im häufig schwierigen Gelände deutlich verbessert.

Wo entlang, wenn es brennt?

Die schnelle Klärung von Schadenslagen – sowohl über die Gesamtlage als auch für individuelle Einsatzstellen – ist bei Großschadenslagen entscheidend. Insbesondere bei Bränden sind lokale Lagen unter teilweise sehr widrigen Bedingungen zu erkunden. Hier ist Fraunhofer FIT am EU-Projekt SOCIONICAL mit dem Ziel beteiligt, Konzepte für ein effektives Zusammenspiel von intelligenter Gebäudetechnik, Unterstützungssystemen für Einsatzkräfte wie LifeNet und intelligenten Handys der Bevölkerung bei komplexen Großschadenslagen zu entwickeln. Durch Untersuchung von Ereignissen wie den Bombenanschlägen in London werden in Kooperation mit Zivilschutzbehörden Konzepte entwickelt, wie die Sicherheit etwa bei den Olympischen Spielen 2012 in London verbessert werden kann. Hierzu gehören das Erkennen von Gefahren und die Unterstützung von Evakuierung und Rettungsmaßnahmen.