OLGA

Online Guideline Assist für die Intensivmedizin

© Foto Fraunhofer FIT

Das Projekt »Online Guideline Assist – OLGA« entwickelt ein wissensbasiertes Assistenzsystem, das Ärzte bei der Diagnose und der Therapie von Patienten auf Basis offizieller Handlungsempfehlungen unterstützt. Ziele sind über die erhöhte Qualität der Patientenbehandlung hinaus die Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung.

Denn die Kliniken sind durch die Einführung des fallpauschalen-basierten Entgeltsystems zur Qualitätssicherung und Kostenreduzierung ihrer Behandlungen gezwungen. Ein Schlüssel dazu ist Prozesswissen über klinische (technisch-administrative) und medizinische (fachliche) Vorgehensweisen.

Unterstützung medizinischer Entscheidungen ist Neuland

Es konnte bereits gezeigt werden, dass standardisierte Behandlungspfade, so genannte Standard Operating Procedures, geeignet sind, Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Leistungen zu erhöhen. Messbar wird dies durch verkürzte Liegezeiten der Patienten oder eine Reduktion der Sterblichkeitsrate.

Doch während sich die Unterstützung klinisch-administrativer Abläufe im Rahmen von Clinical Pathways bereits in der Etablierung befindet, ist die Unterstützung medizinischer Entscheidungen durch klinische Informationssysteme jedoch noch weitestgehend Neuland.

Prozessunterstützung gibt es bisher nur für solche Behandlungen, die strukturell eindeutig beschreibbar sind und aus wiederkehrenden Aktivitäten bestehen. Verlässt man dieses Gebiet, so schwindet jede Form der aktiven Unterstützung – bis auf die Dokumentation der Behandlung im Kontext der (elektronischen) Patientenakte. Dies liegt zum einen an der hohen Komplexität der medizinischen Prozesse, zum anderen auch an der mangelnden Flexibilität klassischer IT-Lösungen.

OLGA löst dieses Dilemma, indem es einen evolutionären Ansatz verfolgt und schrittweise praktische Beispiele basierend auf etablierten Standards in die Anwendung bringt. Damit wächst das System mit den Erfahrungen.

Digitale Patientenakte.

Lösungsansatz

Der Ansatz von OLGA besteht darin,

  • die vorhandenen Leitlinien zu sichten,
  • sie zu bewerten und zu formalisieren,
  • sie in einer Ausführungsumgebung zu automatisieren und
  • den Effekt der Unterstützung zu messen.

Dazu verfolgt OLGA eine mehrstufige Modellierung. Zunächst wird in einem Konsensfindungsprozess zusammen mit medizinischen Experten der Prozessablauf bestimmt. Daraus resultieren zunächst einfache Ablaufdiagramme und textuelle Prozessbeschreibungen.

Nachfolgend werden diese formalisiert, also in einer Prozessmodellierungssprache dargestellt. OLGA verwendet dafür das Guideline Interchange Format GLIF. Anschließend wird dieses GLIF-Modell mit Abbildungsassistenten in ausführbare Workflows transformiert. Die Informationen über Behandlungsweisen und vorliegende Indikationen werden dann durch entsprechende Vorschläge in der elektronischen Patientenakte angezeigt.

Nahtlose Integration in den Arbeitsablauf

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Akzeptanz eines digitalen Helfers ist die Einbettung in den normalen Arbeitsablauf. OLGA integriert sich nahtlos in die elektronische Patientenakte und unterstützt den Benutzer pro-aktiv. Sämtliche Interaktionen finden über die gewohnte Benutzeroberfläche des klinischen Informationssystems am Patientenbett statt und stellen keine zusätzliche Belastung dar.

Das Projekt OLGA – Online Guideline Assist wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG gefördert. Partner war die Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin, Universitätsklinikum Giessen.