MICA

Multimodale Interaktion in kontext-adaptiven Systemen

© Foto Fraunhofer FIT

Das moderne Arbeitsleben hat sich sehr verändert. Menschen arbeiten heutzutage häufig ohne festen Arbeitsplatz in wechselnden Arbeitsumgebungen und mit unterschiedlichsten Endgeräten. Sie sind mit vielen Aufgaben konfrontiert, in denen sie zu jeder Zeit und an jedem Ort Unterstützung benötigen. In solchen Situationen möchte MICA proaktive, adaptive, multimodale Unterstützung bieten. MICA ist ein Forschungsprojekt im Auftrag der SAP AG.

Der erste MICA Prototyp 2007 realisierte eine Anwendung für ein mittelgroßes Warenlager. Betreiber von Warenlagern sind in Spitzenzeiten darauf angewiesen, ungelernte Arbeitskräfte als Aushilfen einzustellen. Problematisch dabei ist, dass die Hilfskräfte zumeist weder die Produkte kennen noch mit den Arbeitsabläufen vertraut sind. MICA unterstützt Mitarbeiter in einem nicht automatisierten Lager, zügig und fehlerfrei zu kommissionieren. Mit Sensoren und Ortungstechnologien (WLAN, RFID) hilft der intelligente Assistent den Mitarbeitern bei ihrer Arbeit. MICA erlaubt pick-by-doing und registriert die Kommissionierung selbsttätig.

Im Auftrag der SAP AG wurde der Prototyp des intelligenten Lagersystems MICA dann 2008 in einer Pilotphase bei der ART GmbH in Hockenheim erprobt. Der Mitarbeiter wird grafisch durch einen Tablet-PC auf dem Transportwagen und bei Bedarf akustisch über ein Bluetooth-Headset bei seinen Aufträgen auf dem kürzesten Weg durch das Lager geleitet. Schwere und sperrige Artikel steuert das System zuerst an, damit sie unten in den Kisten liegen. Sollte einmal ein falsches Teil im Wagen landen, bemerken es RFID-Sensoren.

Die Pilotphase bei der ART GmbH war eine besondere technische Herausforderung, da alle zu kommissionierenden Produkte inklusive der Sammelbehälter und Regale aus Metall bestanden. Dies führte zur Entwicklung einer fast komplett neuen Lösung. Es musste von HF auf UHF-Technologie bei den RFID Readern und Tags umgestellt werden, um eine höhere Lesereichweite und Lesen auf Metall zu ermöglichen. Die Navigation sollte fachgenau erfolgen. Daher wurde auch die Ortungstechnologie von WLAN auf RFID umgestellt. Kommissioniert wird jetzt anstatt auf einen Lager-Trolley direkt auf die Palette, die auch zum Kunden geliefert wird.

Die Evaluation und Interviews mit den Arbeitern zeigen eine gute Zufriedenheit mit dem MICA-System, trotz noch einiger Fehlfunktionen. Im Betrachtungszeitraum trat mit MICA kein Kommissionierungsfehler auf, sowohl mit erfahrenen, als auch unerfahrenen Lageristen. Letztere konnten ihre Aufträge in beinahe der gleichen Zeit kommissionieren, wie ihre eingearbeiteten Kollegen.