Mikroökonomische Simulationsmodelle

Die Abteilung Mikrosimulationsmodelle verfügt über eine mehr als 20-jährige Expertise in der Modellierung und empirischen Analyse ökonomischer Zusammenhänge und wirtschaftspolitischer Fragestellungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung haben methodisches Fachwissen in Ökonometrie, darunter in der Zeitreihenanalyse, in Hochrechnungs- und Fortschreibungsverfahren, in der Simulation gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge und in Einzelfallsimulationen. Ihre inhaltliche Expertise umfasst die Steuer-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik, sowohl aus ökonomischer Sicht als auch hinsichtlich institutioneller und rechtlicher Aspekte. Zudem haben sie Erfahrung in der Verarbeitung großer Datenmengen, in der Analyse von prozessproduzierten Daten, Daten der amtlichen Statistik und Umfragedaten und in der Darstellung von rechtlichen Rahmenbedingungen in ausführbaren Computercode.

Wirtschaftspolitische Finanzplanung

Die Ergebnisse diverser Analysen dienen regelmäßig als Entscheidungsgrundlage in Politik und Wirtschaft hinsichtlich der mittel- bis langfristigen Finanzplanung und finden Anwendung bei der Einschätzung der finanziellen Auswirkungen von Gesetzesänderungen. Einen Schwerpunkt stellt ein Mikrosimulationsmodell zur Einkommensteuer dar, das im Auftrag des Bundesministeriums für Finanzen betrieben wird und welches in der Vergangenheit für die Abschätzung von Auswirkungen unterschiedlicher Gesetzesreformen, wie beispielsweise den Konjunkturpakete, des Bürgerentlastungsgesetzes Krankenversicherung oder von Tarifreformen Anwendung fand. Von diesem Modell liegt mittlerweile eine Version vor, die auf der faktisch anonymisierten Lohn- und Einkommensteuerstatistik beruht und für diverse Auftraggeber und eine breite Palette von Fragestellungen genutzt werden kann.

Daneben verfügt die Abteilung Mikromodelle über ein langjähriges Know-how in der BAföG-Planung, welches bei der Mitte 2016 in Kraft tretenden BAföG-Reform Anwendung fand. Projektionen des Finanzbedarfs und der Gefördertenzahl werden dem Bundesministerium für Bildung und Forschung regelmäßig zur Verfügung gestellt. Weitere bereits bestehende Simulationsmodelle im Bereich der wirtschaftspolitischen Finanzplanung betreffen das Elterngeld und den Kinderzuschlag.

Arbeitskräfteprojektionen

Ein weiterer Schwerpunkt sind qualifikations- und berufsspezifische Projektionen des Arbeitskräfteangebots. Seit 2008 erstellt die Abteilung im Rahmen eines Kooperationsprojekts QuBe mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung Projektionen zum zukünftigen Angebot an Arbeitskräften nach Qualifikationen und Berufen. Auf Basis dieser Expertise wurde im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ebenfalls die zukünftige Entwicklung der Ärztezahlen prognostiziert.

Alterssicherung und Demographischer Wandel

Auch im Bereich der Alterssicherung werden die finanziellen Auswirkungen von Reformvorhaben quantifiziert. Zusätzlich werden konkrete ökonomische Fragestellungen untersucht. Bspw. wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Messgröße für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Altersversorgung konstruiert, der Gender-Pension-Gap. Im Jahr 2016 wurde ein Projekt abgeschlossen, dass die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Einnahmeseite der öffentlichen Finanzen bis zum Jahr 2060 abschätzt.