MoBiGuide

Unterstützung der Theragnostik bei der laparoskopischen Prostatektomie

© Fraunhofer FIT
Mikrofluidikchip mit winzigen Kanälen, in denen Zellproben des abgelösten Gewebes zirkulieren.

Ein exakteres Bestimmen der Tumorausbreitung (Staging) durch eine deutlich verbesserte Diagnostik soll zukünftig die Therapie bei Prostatakrebs erheblich verbessern.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsneuerkrankung des Mannes in Deutschland und steht bei ihm auf Platz 3 krebsbedingter Todesursachen. Ein Grund ist, dass in etwa 30 Prozent der Fälle die voroperative Einschätzung der Tumorausbreitung nur unzureichend erfolgen kann. Die erfolgversprechendste Therapie zur Tumorentfernung ist daher die endoskopisch durchgeführte radikale Prostatektomie (EERPE), bei der die Prostata vollständig entnommen wird. Gleichzeitig wird auf eine möglichst geringe Schädigung der Prostataumgebung geachtet, um Potenz und Kontinenz des Patienten nicht zu gefährden. Bleibt allerdings Tumorgewebe an den Schnitträndern zurück, verschlechtert sich die Prognose des Patienten erheblich. Aktuell kann dieses Risiko nur durch Gewebeentnahmen während der Operation minimiert werden, die dann aufwändig mikroskopisch untersucht werden müssen. Dies kostet während der Operation viel Zeit und kann auch nur stichprobenartig erfolgen, da gerade in den kritischen Bereichen, wie Nervensträngen oder am Schließmuskel, schon kleinste Gewebeentnahmen zu ernsthaften Schädigungen führen können.

Fraunhofer FIT und der Spin-off LOCALITE entwickeln im Projekt MoBiGuide daher ein Verfahren, das ein exakteres Bestimmen der Tumorausbreitung (Staging) durch eine deutlich verbesserte Diagnostik ermöglicht. Hierzu wird im Vorfeld der Operation eine leistungsstarke Bildgebung verbunden mit einer parallel navigierten Prostatabiopsie im Kernspintomographen dazu genutzt, die tumorverdächtigen Areale in den Grenzbereichen der Prostata genau zu identifizieren. Durch diese Maßnahmen wird die Entscheidungslage zur operativen Behandlung für Patienten und Ärzte gleichermaßen stark verbessert.

Wird auch das MoBiGuide-Entwicklungsziel der intraoperativen Überprüfung in Verdachtsregionen erreicht, kann während der Operation die Vollständigkeit der Krebsentfernung vororientiert und molekularbiologisch informiert nahezu in Echtzeit erfolgen. Dies wäre für Patient und Urologen insgesamt eine enorme Verbesserung der Qualität der Prostatakrebsbehandlung. Hierzu entwickelt MoBiGuide einen endoskopischen Probennehmer, mit dem der Urologe in den Verdachtsregionen gezielt minimale Gewebemengen ablösen kann. Herzstück der an den Probennehmer angeschlossenen Systembox ist ein Mikrofluidikchip mit winzigen Kanälen, in denen Zellproben des abgelösten Gewebes zirkulieren. Der Chip wird verschiedene neu zu entwickelnde Biomarker (Antikörper) enthalten, wodurch Krebs- und Gewebearten unterschieden werden können. So erhält der Urologe sehr rasch ortsgenaue Informationen, ob er alle Tumorzellen in den Verdachtsregionen entfernt hat. Der MoBiGuide-Probennehmer wird von der KARL STORZ GmbH & Co. KG in Kooperation mit Fraunhofer FIT entwickelt.