Mikrosimulation und Ökonometrische Datenanalyse

Arbeit im Ruhestand realistisch bewerten

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Immer mehr Menschen arbeiten auch nach dem Renteneintritt weiter. Politische Reformen wie die Aktivrente sollen diesen Trend stärken – doch ihre Wirkung ist schwer abzuschätzen. Ein Projekt für das Forschungsnetzwerk Alterssicherung untersucht, inwieweit moderne Mikrosimulationsmodelle helfen können, das Arbeitsverhalten von Rentnerinnen und Rentnern realistisch abzubilden und politische Maßnahmen fundiert zu bewerten.


Der demografische Wandel stellt Arbeitsmärkte und Rentensysteme vor große Herausforderungen. Mit dem Ruhestand der Babyboomer wächst der Druck auf umlagefinanzierte Rentensysteme und der Fachkräftemangel in vielen Branchen. Entsprechend gewinnen politische Instrumente an Bedeutung, die Anreize für eine Weiterbeschäftigung im Rentenalter schaffen.

Ein zentrales Beispiel ist die 2026 eingeführte Aktivrente, die steuerfreie Hinzuverdienste im Ruhestand ermöglicht. Sie soll ältere Menschen motivieren, länger im Erwerbsleben zu bleiben oder nach Renteneintritt wieder zu arbeiten. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen wirken, lässt sich vorab nur mit geeigneten Analyseinstrumenten beurteilen.

Im Auftrag des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung haben wir untersucht, wie bestehende Mikrosimulationsmodelle so weiterentwickelt werden können, dass sie das Erwerbsverhalten von Rentnerinnen und Rentnern realistisch abbilden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Arbeitszeitentscheidungen im Ruhestand systematisch erfasst und in Modelle integriert werden können. Bisher wird der Renteneintritt oft als endgültiger Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt behandelt – ein Bild, das der Realität einer wachsenden Erwerbstätigkeit im Alter nicht mehr entspricht.

Auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) entwickelte das Projektteam ein Modell, das verschiedene Arbeitszeitoptionen berücksichtigt – von Nichterwerbstätigkeit über Minijobs bis hin zu umfangreicher Erwerbstätigkeit. Mithilfe eines Discrete-Choice-Ansatzes wurden individuelle Präferenzen zwischen Einkommen und Freizeit analysiert und für Reformsimulationen nutzbar gemacht.

Die Ergebnisse zeigen: Verbesserungen des Nettoeinkommens können sowohl die Erwerbsbeteiligung als auch die Arbeitszeit im Rentenalter erhöhen. Das Projekt liefert damit eine wichtige Grundlage, um renten- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie die Aktivrente fundiert zu bewerten und ihre langfristigen Folgen für Beschäftigung, öffentliche Finanzen und soziale Sicherungssysteme besser abzuschätzen.

Ihr Nutzen

  • Realistische Einschätzung der Arbeitsmarkteffekte von Reformen im Rentenalter
  • Wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen für Politik und Verwaltung
  • Methodische Impulse für zukünftige Evaluations- und Simulationsprojekte