PARADISE

Mehr Datenschutz für Athleten

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Projektzeitraum: Jan. 2016 – Jan. 2018       

Finanzierung: 1,3 Mio € vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner: 6

Projektkoordinator: Fraunhofer FIT

Aufgaben des FIT: Iteratives Anforderungsmanagement, nutzerzentrierte Anwendungsentwicklung

Profisportler müssen ihre Aufenthaltsorte im Online-Meldesystem ADAMS der Welt-Anti-Doping-Agentur offenlegen. Die digitale Erfassung der persönlichen Daten steht im klaren Gegensatz zum Datenschutz in Deutschland. Im BMBF-Projekt PARADISE sollte Fraunhofer FIT mehr Transparenz im Umgang mit diesen Informationen schaffen. 

Athleten müssen sich regelmäßig unangemeldeten Doping-Kontrollen unterziehen. Zu diesem Zweck geben sie drei Monate im Voraus über ein Online-Meldesystem ihren jeweiligen Aufenthaltsort preis. Diese Vorgehensweise findet nicht nur positiven Anklang bei den Betroffenen – unter anderem, weil sie keinerlei Informationen über die Weitergabe und Aufbewahrung ihrer personenbezogenen Daten erhalten. Das BMBF-geförderte Projekt PARADISE (Privacy-enhanced And Reliable Anti-Doping Integrated Service Environment) hatte zum Ziel, den Umgang mit personen- und ortsbezogenen Daten von Leistungssportlern zweckgebundener auszulegen. Eine vom FIT entwickelte sichere Systemumgebung sollte gewährleisten, dass nur die für eine aktuell durchzuführende Dopingkontrolle benötigten Informationen aufgenommen und an berechtigte Dritte weitergegeben werden. Mit dem System sollten Datenschutz, Transparenz und die Souveränität der Athleten über ihre persönlichen Daten sichergestellt werden.

Kern war der Einsatz einer tragbaren Technologie (Wearable), die nur bei Bedarf den Aufenthaltsort der Athleten ermittelt. Das heißt, erst wenn eine Dopingkontrolle ansteht, wurden aktuelle Positionsdaten erhoben und übertragen. Dies ermöglichte eine Minimierung der aus Datenschutzsicht sehr bedenklichen Offenlegung der gesamten persönlichen Zeitplanung im ADAMS. Mit PARADISE konnten Athleten im Anschluss an eine Kontrolle einsehen, wann auf ihre personenbezogenen Daten zugegriffen wurde – eine enorme Erhöhung der Nachvollziehbarkeit gegenüber dem aktuellen System. Dabei waren überhaupt nur zweckgebundene Zugriffe möglich, indem PARADISE nur Kontrolleuren die Anfrage eines Aufenthaltsorts erlaubte, die für den aktuellen Zeitpunkt einen Kontrollauftrag hatten.

Fraunhofer FIT koordinierte PARADISE und war zudem für die Anforderungsanalyse und den Bau des Wearables zuständig. Überdies begleitete FIT auch die Pilotierung und Evaluierung der entwickelten Lösungen. Partner waren Fraunhofer AISEC, gekko mbH, TU Berlin, Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) und Uniscon GmbH.

Ergebnisse

Das PARADISE-Projekt konzentrierte sich auf die Erforschung alternativer Methoden zur Datenerfassung, um die Privatsphäre der Athleten in Anti-Doping-Verfahren besser zu schützen. Als Ergebnis entwickelte das PARADISE-Team eine IoT-Plattform mit privatsphäre-schützenden Eigenschaften:

  • Verwendung von GPS anstelle einer zentralen Datenbank, die nur dann aktiviert wird, wenn die Kontrolleure einen Athleten für die Dopingkontrolle kontaktieren müssen.
  • Betrieb und Kommunikation über ein sicheres Netzwerk, in dem Daten nicht für jeden offen zugänglich sind und auch gelöscht werden, wenn sie diese nicht mehr benötigen.

Nächste Schritte

Das Projekt lieferte wertvolle Erkenntnisse zum Thema Datenschutz, die in unserer heutigen Zeit zunehmend wichtiger werden. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung konzentriert Fraunhofer FIT seine Forschungsanstrengungen darauf, die menschliche Komponente an der Spitze der technologischen Entwicklung zu halten und die Bedeutung des Umgangs mit sensiblen Daten zu betonen.

Aktualisierung: Juni 2020