Care-Herausforderungen des demografischen Wandels
14. Oktober 2026
Das Fraunhofer FIT veröffentlicht jährlich ein Fact Sheet mit Daten zur informellen Pflege als Diskussionsgrundlage für die Planung von Reformen. Ein aktueller Bericht des FIT im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) weitet den Blick und untersucht die Care-Herausforderungen des demografischen Wandels. Dieser wird voraussichtlich zu einem insgesamt steigenden Care-Bedarf führen: Die Zahl älterer Menschen und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt weiter, während der Bedarf an Kinderbetreuung auf Basis der Geburtenentwicklung nicht in gleichem Maße sinkt. Der Bericht geht der Frage nach, welche Herausforderungen sich durch diesen steigenden Bedarf ergeben. Der sinkende Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter an der Bevölkerung impliziert, dass dem steigenden Care-Bedarf – wenn sich sonst nichts ändert – ein sinkendes professionelles Care-Potenzial gegenübersteht. Damit einhergehend erwarten Vorausberechnungen eine steigende Fachkräftelücke in der Pflege. Die sinkende Zahl der Kinder wird gleichzeitig nicht zu einer vollständigen Entlastung im Hinblick auf den Fachkräftebedarf im Kinderbetreuungsbereich führen.
Außerdem können sowohl der Care-Bedarf als auch das -Potenzial regional sehr unterschiedlich verteilt sein. In diesem Zusammenhang ist deshalb relevant, dass selbst ein hinreichend großes professionelles Care-Potenzial (durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, mehr Einwanderung, einen späteren Renteneintritt oder das Freiwerden von Kapazitäten durch Fortschritte bei der Nutzung künstlicher Intelligenz) nicht zur Deckung der Care-Bedarfe reicht, wenn die berufliche oder regionale Mobilität der Erwerbstätigen begrenzt ist. Obwohl laut Umfragen die Bereitschaft der Bevölkerung, informelle Pflegetätigkeiten zu übernehmen, wenn nahestehende Personen pflegebedürftig werden, relativ hoch ist, geht auch die informelle Pflege mit Herausforderungen einher: neben der sinkenden Zahl von Personen im erwerbsfähigen Alter sind das eine Verstärkung des Fachkräftemangels in anderen Bereichen, eine gesundheitliche und mentale Belastung der Pflegenden und ggf. Rückschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Männern.