Pflege naher Angehöriger: Pflegeversicherung profitiert von Umverteilung in der Sozialversicherung

Presseinformation /

Der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung entgehen durch die Minderung des Erwerbsumfangs von pflegenden Angehörigen jedes Jahr Versichertenbeiträge in Höhe von zwei Milliarden Euro. Gleichzeitig spart die Pflegeversicherung über eine Milliarde Euro, da die Pflege durch Angehörige zu einer geringeren Inanspruchnahme ambulanter oder sogar stationärer Pflegeleistungen führt.

Bedingt durch den demografischen Wandel nimmt die Nachfrage nach Pflegeleistungen immer weiter zu. Ein nicht unerheblicher Teil der Pflegetätigkeit wird dabei informell durch nahe Angehörige übernommen. In einer Vielzahl der Fälle geht die Übernahme einer solchen Pflegetätigkeit allerdings mit einer Verringerung des Erwerbsumfangs einher. Teilweise geben die Pflegenden ihre Erwerbstätigkeit sogar ganz auf, um sich ihren nahen Angehörigen zu widmen. Dies hat nicht nur einen negativen Effekt auf die Einkommenssituation der betroffenen Haushalte, sondern wirkt sich in der Summe auch deutlich auf die Einnahmen und Ausgaben der Sozialversicherung aus.

Forscher der Abteilung Mikrosimulationsmodelle des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT haben nun erstmals auf Basis von Mikrodaten in einer wissenschaftlichen Studie untersucht, welche finanziellen Effekte dabei für die Sozialversicherung verbunden sind. So entgehen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung durch die Minderung des Erwerbsumfangs der pflegenden Angehörigen jedes Jahr Versichertenbeiträge in Höhe von zwei Milliarden Euro. Auf der Ausgabenseite profitiert die Pflegeversicherung dabei gleichzeitig mit über einer Milliarde Euro von der Pflege durch nahe Angehörige, da diese zu einer geringeren Inanspruchnahme (deutlich teurerer) ambulanter oder sogar stationärer Pflegeleistungen führt.

Laut Aussage der beiden Studienautoren, Luca Rebeggiani und Sven Stöwhase, überwiegt in der Summe der negative Effekt auf die Einnahmeseite der Sozialversicherung. Betrachtet man hingegen nur die Pflegeversicherung, so dominiert der Einspareffekt auf der Ausgabeseite. Effektiv kommt es damit zu einer Umverteilung von der gesetzlichen Krankenversicherung zur Pflegeversicherung.

Primäre Grundlage der Analyse war das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Diese Datenquelle enthält Informationen zu einer Vielzahl sozioökonomischer Merkmale von pflegenden Personen und besitzt außerdem eine Panelstruktur, die die Verfolgung von Veränderungen im Zeitablauf bei den betrachteten Personengruppen ermöglicht.

Die Studie kann unter dem folgenden Link kostenpflichtig bezogen werden: http://s.fhg.de/studie-pflegeversicherung

Vertreterinnen und Vertreter der Presse können auf Anfrage bei Prof. Dr. Luca Rebeggiani (luca.rebeggiani@fit.fraunhofer.de) eine kostenfreie Sonderausgabe der Publikation beziehen.